Fahrende

Die Fahrenden sind in der Schweiz seit 1998 als nationale Minderheit anerkannt. Die umliegenden Länder und die UNO orientieren sich demgegenüber im offiziellen Sprachgebrauch an der Selbstbezeichnung der Bevölkerungsgruppen mit teilweise fahrender Lebensweise: Roma, Sinti und Jenische. Letztere sind allerdings in keinem europäischen Land als Minderheit anerkannt. In der Schweiz bilden sie die Hauptgruppe der Fahrenden. Die Mehrheit der Jenischen ist jedoch sesshaft.

Die für nichtsesshafte Bevölkerungsgruppen im Alltag verwendeten Begriffe sind bis heute uneinheitlich und hängen vom Zeitpunkt, vom Gegenstand sowie vom Ziel der behördlichen Erfassung beziehungsweise der Abfassung von Publikationen ab. Mit dem Begriff Fahrende werden sowohl nach wirtschaftlichen als auch nach kulturellen und ethnischen Kriterien beschriebene Bevölkerungsgruppen erfasst.

Die schweizerische Politik, die sich auf nationaler Ebene bis Anfang der 1970er Jahre hauptsächlich auf ausländische Fahrende konzentrierte, verwendete den Begriff «Zigeuner», während die kantonalen Gesetze für die inländischen Fahrenden mehrheitlich den Begriff «Vaganten» aufwiesen. Behörden sowie private Institutionen bedienten sich in der Praxis allerdings unterschiedlicher Bezeichnungen. Diese variierten je nach Sprachregion und orientierten sich an der familiären und geographischen Herkunft, an der Sprache, Erwerbs- und Lebensweise dieser Gruppen. Sie unterscheiden sich zudem von den Selbstdefinitionen der Fahrenden, die ihrerseits im Wandel sind.

Über das Verhältnis zwischen den Fahrenden und der sesshaften Bevölkerungsmehrheit ist wenig bekannt. Unumstritten ist der ökonomische Beitrag der Fahrenden zur Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen, hauptsächlich vor der verkehrstechnischen Erschliessung der Randregionen. Sie trugen auch zu Kultur und Unterhaltung bei, insbesondere vor der Verbreitung von Massenmedien wie Radio und Fernsehen.

Nach offiziellen Schätzungen umfasst die nationale Minderheit zirka 30'000 Personen, von denen heute höchstens noch 2’000 bis 3’000 regelmässig fahren.

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