Betroffene Urner schweigen

Donnerstag, 11. Januar 2018

Ehemalige Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen sollen nun für das geschehene Unrecht einen Solidaritätsbeitrag erhalten. Doch die meisten betroffenen Urner meldeten sich bis jetzt nicht.

Bis Anfang Dezember sind aus dem Kanton Uri lediglich elf Gesuche für den ­Solidaritätsbeitrag eingegangen, wie Luzius Mäder vom Bundesamt für Justiz bestätigt.

Die Gründe für das Schweigen sind vielseitig und teilweise Spekulation. «Es gibt Betroffene, die sich nicht als Opfer sehen wollen», stellt Tanja Rietmann bei ihrer Arbeit fest. Die 42-jährige Historikerin, die in Flüelen aufgewachsen ist, forscht an der ­Universität Bern zum Thema der ­fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. «Andere Betroffene wollen sich nicht mehr mit schlimmen Erlebnissen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen», sagt sie.

Im Kanton Uri hat sich kürzlich auf private Initiative der Erst­felder SP-Gemeinderätin Rebekka Wyler, die im Staatsarchiv Zürich beruflich auch mit dem Thema fürsorgerische Zwangsmassnahmen konfrontiert ist, eine lose Gruppe formiert. ­Diese will Betroffene auf die Möglichkeit des Solidaritätsbeitrages aufmerksam machen. Gleichzeitig prüft die Gruppe nun zusammen mit dem Histo­rischen Verein Uri, ob man das Thema im Kanton Uri wissenschaftlich aufarbeiten kann

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