Religiöse Zugehörigkeit im Rahmen der eigenen Kultur

Schwarze Madonna

Schwarze Madonna auf dem Standplatz Cazis.

Quelle: 
Foto Willi Wottreng.

Auch die Jenischen, Sinti und Roma gehören unterschiedlichen Religionen und Konfessionen an. Alljährlich gibt es grosse Treffen an Wallfahrtsorten und Feiertagen.

Schweizer Jenische sind ursprünglich katholisch, einige Familien reformiert. Die Evangelische Zigeunermission ist ein wachsender Zweig der Pfingstbewegung. Die Schweizer Sinti sind ursprünglich ebenfalls katholisch. Auch unter ihnen hat die Zigeunermission in letzter Zeit viel Zuwachs. In der Schweiz lebende Roma sind von den Religionen ihrer Herkunftsländer geprägt, somit Muslime, Orthodoxe oder Katholiken.

Es bestehen gruppenspezifische Vorstellungen vor allem rund um den Tod. Experten deuten sie als Traditionen mit vorchristlichen Wurzeln, ähnlich manch anderem Brauchtum. Es gibt auch Anhänger weiterer Religionen sowie Agnostiker und Atheisten unter den Roma, Sinti und Jenischen.

Die Kirchen gehörten zu den Verfolgern von Jenischen, Sinti und Roma. Ihr Brauchtum und das Wahrsagen wurden als heidnisch bekämpft. Viele der systematisch aus ihren Familien gerissenen jenischen Kinder kamen in katholische Anstalten. Orden und Institutionen wie die Seraphischen Liebeswerke arbeiteten eng mit dem «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» zusammen.

Papst Johannes Paul II. empfing 1984 eine Delegation der Radgenossenschaft. Der Vatikan ruft nun zu Respekt für die Rechte der Roma auf. Ein Dominikaner, Jean-Bernard Dousse, leitet das schweizerische Spezialpfarramt für Fahrende. Kirchliche Gremien und einzelne Geistliche unterstützen einzelne Fahrende oder deren Verbände dort, wo staatliche Förderung ausbleibt. Für Fahrende ist es nicht einfach, zu territorial organisierten Kirchgemeinden Zugang zu finden. Demgegenüber ist die Evangelische Zigeunermission heute von fahrenden Geistlichen geleitet, in der Schweiz seit Mitte der 1980er Jahre vom Genfer Pastor und Gitarristen May Bittel. Sie organisiert grosse Plätze für Wohnwagen und Gottesdienste in Zelten.

Manche Roma, Sinti und Jenische wallfahren nach Einsiedeln, Lourdes oder, an Auffahrt, nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer, zu Ehren der schwarzen Heiligen Sara. Viele Roma feiern den Tag des Heiligen Basili im Januar (Feste).

Thomas Huonker

Zitierweise

Thomas Huonker, Religiöse Zugehörigkeit im Rahmen der eigenen Kultur, in: Schweizer Fahrende in Geschichte und Gegenwart. Eine Website der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende <http://www.stiftung-fahrende.ch/geschichte-gegenwart/de/geschichte-der-fahrenden/kultur/religioese-zugehoerigkeit-im-rahmen-der-eigenen-kultur> (Version vom 13.09.2011).

© 2012 Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende // Impressum