Literaturauswahl

Fahrende, Jenische, Sinti und Roma

Bader, Christian, Yéniches. Les derniers nomades d’Europe, suivi d’un lexique yéniche-français et français-yéniche, Paris 2007.

Synthese des vornehmlich auf Deutsch vorhandenen Wissens über die Jenischen für ein interessiertes französischsprachiges Publikum.

Dazzi, Guadench / Galle, Sara / Kaufmann, Andréa / Meier, Thomas, Puur und Kessler. Sesshafte und Fahrende in Graubünden, hg. vom Institut für Kulturforschung Graubünden, Baden 2008.

«Puur» und «Kessler» lauteten die jenischen beziehungsweise nicht-jenischen Bezeichnungen für die jeweils anderen: für die Sesshaften und die Fahrenden. Im Zentrum des Buches steht die Geschichte der Jenischen in Graubünden. Einen Schwerpunkt bildet die Aktion «Kinder der Landstrasse» der Stiftung Pro Juventute, die vor allem in Graubünden umgesetzt wurde. Zahlen, Fakten und Analysen sorgen für Transparenz. Selbstaussagen Betroffener und Beteiligter bürgen für Authentizität.

Huonker, Thomas / Ludi, Regula, Roma, Sinti und Jenische. Schweizerische Zigeunerpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus, unter Mitarbeit von Bernhard Schär, hg. von der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (Veröffentlichungen der UEK 23), Zürich 2001. (PDF)

Der im Auftrag der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg, der sogenannten Bergier-Kommission erstellte Bericht beleuchtet die schweizerische Politik gegenüber den Zigeunern im Zweiten Weltkrieg.

Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz. Resultate aus den Forschungsprojekten des NFP 51, in: Bulletin NFP 51, Ausgabe  6/2007. (PDF)

Das Bulletin enthält die Berichte über die drei im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 51 «Integration und Ausschluss» durchgeführten Projekte zu Fahrenden in der Schweiz.

Jenische Kultur. Ein unbekannter Reichtum. Was sie ist, wie sie war, wie sie weiterlebt, hg. von der Radgenossenschaft der Landstrasse, Redaktion: Willi Wottreng, Zürich 2017.

Die reich bebilderte Broschüre der Radgenossenschaft, der Dachorganisation der Jenischen und Sinti in der Schweiz, widmet sich in sieben Kapiteln den Themen nationale Minderheit, Familie, Freiheit, Berufe, Feste, Kunst und Glaube. Bestellt werden kann die Broschüre bei der Radgenossenschaft.

Kanyar Becker, Helena (Hg.), Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft 176), Basel 2003.

Das aus einer Vortragsreihe an der Universität Basel entstandene, mit Fotografien von Urs Walder bebilderte Buch enthält Beiträge und Dokumente zur Tradition, Geschichte, Sprache und Alltag von Jenischen, Sinti und Roma, zur schweizerischen Zigeunerpolitik im Zweiten Weltkrieg und zur Aktion «Kinder der Landstrasse».

Meier, Thomas Dominik / Wolfensberger, Rolf, «Eine Heimat und doch keine». Heimatlose und Nicht-Sesshafte in der Schweiz (16.–19. Jahrhundert), Zürich 1998.

Thema der umfangreichen Dissertation ist das Gesetz von 1850 zur Einbürgerung der Heimatlosen und die damit intensivierten Massnahmen gegen die in der Schweiz lebenden nicht-sesshaften Bevölkerungsgruppen. Die Publikation greift aber auch die Frage der Entstehung von Heimatlosigkeit und Nicht-Sesshaftigkeit auf und befasst sich mit der Kultur der Fahrenden, vor allem im 19. Jahrhundert.

Minelli, Michèle, Kleine Freiheit. Jenische in der Schweiz, Mit Fotografien von Anne Bürgisser, Baden 2015.

In diesem sehr persönlichen Buch halten die Autorin und die Fotografin ihre Begegnungen mit Jenischen und fahrenden Familien in Wort und Bild fest. Neben Vertretern der Radgenossenschaft, von Schäft qwant und der Bewegung der Schweizer Reisenden sind auch ein ehemaliges «Kind der Landstrasse» und eine junge jenische Frau porträtiert.

Schär, Bernhard C. / Ziegler, Béatrice (Hg.), Antiziganismus in der Schweiz und in Europa. Geschichte, Kontinuitäten und Reflexionen, Zürich 2014.

Der Tagungsband untersucht die Stigmatisierung von Roma, Sinti und Jenischen in Politik, Medien und Alltag im 20. und 21. Jahrhundert. Die Autorinnen und Autoren gehen der Frage nach, wann der europäische Antiziganismus entstand, wie er sich entwickelte und weshalb er sich so hartnäckig in der Gegenwart hält. Zu Wort kommen auch Vertreter der Roma, Sinti und Jenischen.

Tcherenkov, Lev / Laederich, Stéphane, The Rroma. Otherwise known as Gypsies, Gitanos, Gyptoi, Tsiganes, Tigani, Congene, Zigeuner, Bohémiens, Travellers, Fahrende, etc., 2 Bde., Basel 2004.

Dieses englischsprachige Handbuch ist allen zu empfehlen, die sich für die verschiedenen Gruppen von Fahrenden, insbesondere für die Geschichte, Sprache und Tradition der Roma interessieren.

Walder, Urs (Hg.), Nomaden in der Schweiz. Mit Texten von Mariella Mehr, Venanz Nobel und Willi Wottreng, Zürich 1999.

Der einzigartige Bildband des Fotografen Urs Walder, der Jenische über Jahre mit seiner Kamera begleitete, enthält einprägsame Texte von und über Jenische.

Wottreng, Willi, Zigeunerhäuptling. Vom Kind der Landstrasse zum Sprecher der Fahrenden – Das Schicksal des Robert Huber, Zürich 2010.

Die packend geschriebene Biografie beschreibt eindrücklich wie ein «Kinder der Landstrasse» zum Wortführer der Fahrenden wurde und sich als Präsident der «Radgenossenschaft der Landstrasse» für ihre Rechte einsetzte.

 

«Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse»

Galle, Sara, «Man darf das nicht vergessen», in: Das Magazin für Politische Bildung, 2/2009, S. 9–11. (PDF)

Der Beitrag im Magazin für politische Bildung zum Thema «Umgang mit vergangenem Unrecht» beschäftigt sich mit den Folgen der Aktion «Kinder der Landstrasse». Zugleich bietet er eine konzise Darstellung und Kontextualisierung der Aktion.

Galle, Sara, Kindswegnahmen. Das «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» der Stiftung Pro Juventute im Kontext der schweizerischen Jugendfürsorge, Zürich 2016.

Die Historikerin Sara Galle verortet in ihrer an der Universität Zürich eingereichten Dissertation das «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» in der damaligen Praxis der Sozialhilfe und Jugendfürsorge. Im Zentrum ihrer umfassenden Studie steht die Frage, welche Familien von der Aktion «Kinder der Landstrasse» betroffen waren, wie die Kindswegnahmen begründet wurden und welche Rolle den betroffenen Eltern und beteiligten Behörden zukam. Besonders thematisiert werden die rechtlichen Grundlagen, auf die sich die Akteurinnen und Akteure stützten.

Galle, Sara / Meier, Thomas, Von Menschen und Akten. Die Aktion «Kinder der Landstrasse» der Stiftung Pro Juventute, Zürich 2009 (mit DVD-ROM).

Diese Auseinandersetzung mit der Aktion «Kinder der Landstrasse» beleuchtet besonders die Rolle, welche Akten bei der Diskriminierung der Jenischen spielten. Veranschaulicht wird die Wirkmächtigkeit von Akten in kommentierten Dossiers und in Tonbildschauen auf der beiliegenden DVD. Dort bekommen auch die Menschen hinter den Akten ein Gesicht und eine Stimme. Sie erzählen aus ihrem Leben.

Galle, Sara / Meier, Thomas, Die «Kinder der Landstrasse» in Akten, Interviews und Reportagen. Ein Arbeitsheft für den Unterricht an Mittelschulen und Fachhochschulen, Zürich 2010.

Das 40-seitige Arbeitsheft richtet sich an Lehrpersonen und bietet unterschiedliche Zugänge zur Behandlung der Aktion «Kinder der Landstrasse». Konkrete Frage- und Aufgabenstellungen erleichtern die praktische Umsetzung der Thematik im Unterricht.

Huonker, Thomas, Fahrendes Volk – verfolgt und verfemt. Jenische Lebensläufe, dokumentiert und kommentiert von Thomas Huonker, hg. von der Radgenossenschaft der Landstrasse, 2. Auflage, Zürich 1990. (PDF)

Als einer der ersten Historiker beschäftigte sich Thomas Huonker mit der Geschichte der Schweizer Fahrenden und der Aktion «Kinder der Landstrasse». Im Zentrum des Buchs, das 1987 erstmals erschien, stehen die Lebensläufe von elf Schweizer Fahrenden, darunter auch ehemalige «Kinder der Landstrasse».

Kinder zwischen Rädern. Kurzfassung des Forschungsberichtes «Das Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» von Walter Leimgruber, Thomas Meier und Roger Sablonier, redigiert von Bernadette Kaufmann, hg. im Auftrag des Bundesamtes für Kultur (undKinder 20, Nr. 67), Zürich 2001.

Die Kurzfassung des Forschungsberichts von 1998 zur Aktion «Kinder der Landstrasse» ist konzipiert als Arbeitsinstrument für die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Mitarbeitarbeitenden in Sozial- und Vormundschaftsbehörden.

Leimgruber, Walter / Meier, Thomas / Sablonier, Roger, Das «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse». Historische Studie aufgrund der Akten der Stiftung Pro Juventute im Schweizerischen Bundesarchiv (Bundesarchiv Dossier 9), Bern 1998. (PDF)

Die Studie im Auftrag des Bundes, für welche die Autoren erstmals Zugang zu den im Bundesarchiv gelagerten Akten zum «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» erhielten, befasst sich vor allem mit der Rolle des Bundes und der Pro Juventute. Sie benennt aber auch die Forschungsdesiderate und fordert eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung.

 

Selbstzeugnisse und literarische Verarbeitungen

Mehr, Mariella,

Steinzeit, Roman, Bern 1981.

Kinder der Landstrasse. Ein Hilfswerk, ein Theater und die Folgen, Drama, Bern 1987.

RückBlitze, Roman, Bern 1990.

Zeus oder der Zwillingston, Roman, Zürich 1994.

Ausgehend von ihrer eigenen Biografie thematisiert Mariella Mehr in Romanen und Theaterstücken die Verfolgung der Jenischen, insbesondere durch die Aktion «Kinder der Landstrasse».

Minder, Albert,

Der Sohn der Heimatlosen. Eine Lebensgeschichte in Gedanken und Gedichten, Burgdorf 1925.

Korber-Chronik. Aus dem Wanderbuch eines Heimatlosen, Zürich 1947 (2. Auflage, Aarau 1963).

Albert Minder thematisierte als erster jenischer Schriftsteller die Verfolgung der Fahrenden in der Schweiz. Die damals laufende Aktion «Kinder der Landstrasse» erwähnt er jedoch interessanterweise mit keinem Wort.

Moser, Peter Paul,

Entrissen und Entwurzelt. Im Alter von 13 Monaten geraubt und entführt, Thusis 2000.

Die Ewigkeit beginnt im September, Thusis 2000.

«Rassendiskriminierung und Verfolgung während einer ganzen Generation» – Brandstiftung: für eine neunköpfige Familie ein deutlicher Hinweis, unerwünscht zu sein, Thusis 2002.

In seiner als Trilogie erschienenen Biographie verbindet der Autor seine Erinnerung mit den vom «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» über ihn angelegten Akten.

Nussbaumer, Jeanette,

Die Kellerkinder von Nivagl. Geschichte einer Jugend, Basel 1995.

Geheimnisvolles Nivagl und andere Geschichten, Basel 2006.

Jeanette Nussbaumer, die aus einer jenischen Familie stammt, hat mittlerweile vier Bücher mit meist autobiographischen Geschichten aus ihrer Jugend im bündnerischen Obervaz verfasst. Die zwei hier genannten versammeln Geschichten rund um den abgelegenen Weiler Nivagl, in dem die Familie wohnte.

Wenger, Graziella, Zerschlagene Räder. Graziella erzählt aus Annelis Sicht ihre eigene Jugendgeschichte als Opfer der Aktion Kinder der Landstrasse, 3. Auflage, Basel 1996.

Die jenische Autorin, die ihre Mutter erst 1986 und ihren 1984 verstorbenen Bruder, ein «Kind der Landstrasse», gar nie mehr kennenlernte, verarbeitete ihre Erfahrungen in Dokumentationen, Gedichten oder – wie in diesem Fall – in Geschichten.

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