Die Lebensgeschichte des Jenischen Alois Kappeler ist ein erschütterndes Zeugnis von Behördenwillkür. Der Landquarter macht jetzt einen Schritt, der auch den Kanton Graubünden treffen könnte.
Südostschweiz/Pierina Hassler
Alois Kappeler wartet am Bahnhof Landquart auf das Team der «Südost-Schweiz». Man kennt sich. Es ist nicht das erste Mal, dass über ihn geschrieben wird. Da war jener Tag vor neun Jahren: Kappeler sass zusammen mit anderen Opfern von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen auf der Zuschauertribüne des Grossen Rats in Chur. Er war dabei, als Regierungsrat Jon Domenic Parolinijene Worte sprach, auf die er und viele andere ein Leben lang gewartet hatten: die Ankündigung einer offiziellen Entschuldigung des Kantons Graubünden für das Leid der Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen.
In diesem Moment brach es aus Kappeler heraus. Er jubelte, er klatschte - eine eruptive Freude über die späte Gerechtigkeit. Doch die Herren und Damen der Paragrafen und Protokolle reagierten unterkühlt: Das Sicherheitspersonal schritt ein, Kappeler drohte die Abführung. Er kannte die strengen Gepflogenheiten des Polit-Betriebs nicht; er kannte nur die Erleichterung eines Mannes, dessen Unrecht endlich beim Namen genannt wurde.