Eine Schwesternschaft in Solothurn drangsalierte jahrzehntelang schwangere Frauen, ihre Kinder wegzugeben. Zahlreiche Beweise hat sie vernichtet, den Rest weggesperrt. Nun kämpft ein Staatsarchivar um den Zugang zu den Akten.
NZZ/Janina Gehrig (Text), Annick Ramp (Bilder)
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Stefan Frech ist Staatsarchivar. Er konserviert die Geschichte des Kantons Solothurn. Sein Auftrag: Jeder soll einsehen können, wie der Staat handelt, was die Kantonsregierung beschlossen und Gerichte entschieden haben. Doch Frech hat es nicht nur mit vergilbten Akten zu tun, sondern auch mit Menschen. Wenn sie ihn anrufen oder antippen, die Forscher, die er für ihre Projekte begleitet, die Kollegen aus dem Museum, die Fragen stellen, die Besucherinnen im Lesesaal, dann hat er schnell Antworten parat. Es melden sich aber immer wieder auch Leute bei ihm, die seine Hilfe brauchen, um die Lücken in ihrer Biografie zu füllen. Sie stellen ihm Fragen: Wo bin ich geboren? Wer war meine Mutter? Warum durfte ich nicht bei ihr bleiben?
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Die Betroffenen, das sind Menschen, die als Kinder fremdplatziert, also von ihren Familien getrennt und in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht worden sind. Zehntausende Kinder waren schweizweit davon betroffen, bis ins Jahr 1981 geschah dies meistens unter Zwang. Und dabei spielte das Seraphische Liebeswerk Solothurn eine bedeutsame Rolle