"Warum wird das so klein gehalten?"

11. Juni 2026

Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit soll in der Schweizer Kulturbotschaft abgehandelt werden – das sorgt nicht nur bei Betroffenen für Unverständnis

WoZ Die Wochenzeitung/Silvia Süess

«Man kann doch ein Völkerrechtsverbrechen nicht in eine Kulturbotschaft stecken!» Sandra Gerzner sitzt am Tisch in der Cafeteria der Universität Fribourg und schüttelt den Kopf. Seit Jahren setzt sie sich als Präsidentin des Vereins Citoyens Nomades mit anderen jenischen Menschen für eine saubere juristische Aufarbeitung des schwersten Verbrechens ein, das die Schweiz je begangen hat: ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Von 1926 bis 1973 entriss die im Rahmen der Stiftung Pro Juventute lancierte Aktion «Kinder der Landstrasse» mit Unterstützung von Vormundschaftsbehörden, Kantonen, Gemeinden und Kirchen fast 600 Kinder von Jenischen und Sinti:zze ihren Eltern. Die Stiftung sperrte Schwangere ein, vollzog Zwangssterilisationen sowie Zwangsinternierungen.

Da die Behörden auch ohne Zutun der vom Bund unterstützten Pro Juventute aktiv waren, geht man heute von 2000 betroffenen Kindern aus. Das Ziel dieser rassistischen Aktion, die auf eugenischem Gedankengut basierte, war angeblich, die fahrende Lebensweise der Jenischen und Sinti:zze zu unterbinden. Doch auch sesshaften Familien wurden die Kinder weggenommen. 

(…)

Die Jenische Uschi Waser fordert im WoZ-Artikel einen «Gedenkplatz»: einen anständigen Standplatz für fahrende Jenische, kombiniert mit einer Begegnungsstätte, wo öffentliche Veranstaltungen über die Geschichte der Jenischen stattfinden. Einen Ort also, wo das Erinnern an das Verbrechen von damals und das jenische Leben von heute würdig aufeinandertreffen.